Organisatoren: Stiftung Kunst der Freiheit (Idzbark) und Institut für Auslandsbeziehungen ifa (Stuttgart) zusammen mit dem Verband der deutscher Gesellschaften in Ermland und Masuren (Olsztyn)
Partner: Stadt Ostróda, Städtisches Schifffahrtunternehmen Żegluga Ostródzko-Elbląska sp. z o.o

Das Projekt widmet sich der sozialen Vielfalt und Inklusion, insbesondere Minderheiten und sozialen Gruppen. Zwischen Mai und September 2025 legt das „Kulturschiff” von Ostróda ab und fährt auf dem Drewenzsee. Es ist ein Schiff des städtischen Schifffahrtunternehmens, auf dem kulturelle Veranstaltungen im Zusammenhang mit Minderheiten/sozialen Gruppen stattfinden, die in der Woiwodschaft Ermland-Masuren leben. Jede der sechs Fahrten des Kulturschiffs ist einer anderen Minderheit gewidmet – Menschen mit Behinderungen, der deutschen Minderheit, der Roma-Minderheit, der ukrainischen Minderheit, der LGBTQI+-Community und der jüdischen Minderheit. Alle stehen jedoch unter dem Motto „Oberland – Land der Philosophen, Land der Inklusion”
Das Kulturschiff klärt auf und erinnert daran, dass das Gebiet von Ostróda (Osterode Ostpreußen) historisch und geografisch nicht zu Masuren, sondern zum Oberland gehört. Dieses Gebiet wurde früher besiedelt als das weiter östlich gelegene Masuren und unterschied sich sowohl kulturell, sprachlich als auch demographisch. Während die Bevölkerung Masurens vor allem aus Masowien stammte, also aus polnischen Gebieten zugewandert war, kamen die Siedler des Oberlandes aus dem deutschsprachigen Sprachraum. Darüber hinaus waren die Neuankömmlinge, die die Region prägten, zahlreicher und bestanden oft aus Gruppen, die in ihrer Heimat verfolgt wurden und im Oberland ein neues, sicheres Zuhause fanden. Zu diesen Gruppen gehörten Mennoniten, polnische Protestanten, Juden, aber auch soziale Gruppen, die hierher kamen, um ihren Lebensstandard zu verbessern oder auf Einladung der Oberländer Behörden ihr Fachwissen weiterzugeben, zum Beispiel bei der Trockenlegung von Feuchtgebieten oder der Landgewinnung (die Oleander). Bemerkenswert und einmalig ist zudem die Tatsache, dass im 18. Jahrhundert zwei der damals einflussreichsten und berühmtesten Philosophen hier lebten. Es waren der im Oberland geborene Johann Gottfried Herder und sein Lehrer Immanuel Kant, der etwa vier Jahre in Groß Arnsdorf unweit von Herders Heimatort Mohrungen verbrachte.

Daher auch der Titel Oberland – Land der Philosophen, Land der Inklusion. Im Zeitalter der Inklusion ist der Begriff der „Toleranz“ überholt, weil er ein hierarchisches Verhältnis voraussetzt zwischen der den Diskurs dominierenden Gruppe, die bestimmt, wer toleriert wird und wer nicht, und der dieser Bewertung unterliegenden Gruppe. Heute geht es um Vielfalt, die es de facto schon immer gegeben hat, die aber oft – etwa aus politischen Gründen – nicht Gegenstand eines offenen Gesprächs sein konnte. Das Kulturschiff ist ein geschützter Raum, in dem diese Vielfalt unserer Region (des Oberlandes, aber auch der Woiwodschaft Ermland-Masuren im Allgemeinen) sichtbar werden kann. Das Kulturschiff zeigt, dass Vielfalt gefeiert werden kann, weil sie neue Entwicklungsimpulse für die Gesellschaft und die Gemeinschaft bringt.

Während einer Fahrt auf dem Schiff sieht das Publikum die Landschaft des Oberlandes, hört einen kurzen Vortrag über seine Geschichte (ca. 15 Minuten) und lernt anschließend die jeweils vorzustellende Minderheit kennen – durch ein Kultur- und Bildungsprogramm. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenlos und erfolgt durch Reservierung eines Sitzplatzes per E-Mail oder Telefon bei der ifa-Managerin. Für jede Fahrt stehen ca. 50 Sitzplätze zur Verfügung, von denen die Organisatorinnen 10 Plätze für Angehörige der jeweils auf dem Schiff vertretenen Minderheit reservieren. Während der Fahrt servieren wir kostenfrei Kaffee/Tee und süßes Gebäck.Das Schiff ist rollstuhlgerecht.
Programm:
- Menschen mit Behinderungen (25.05.2025)
Gespräch: Die Malerin Urszula Dudko (Rollstuhlfahrerin), Kamila Szmitko, Vizepräsidentin des Gehörlosenverbands in Olsztyn, Aktivistin in der Gehörlosengemeinschaft und Dolmetscherin für die Polnische Gebärdensprache, Monika Falej (ehemalige Abgeordnete des Sejm, derzeit Expertin im Expertenteam für Sonderpädagogik bei der Sektion für Sonderpädagogik des Komitees für Pädagogik der Polnischen Akademie der Wissenschaften für die Amtszeit 2024-2027).
Verdolmetschung in die Polnische Gebärdensprache und aus der Polnischen Gebärdensprache ins Polnnische.
Kulturprogramm: Performance des Allensteiner Gehörlosentheaters in der Gebärdensprcahe „Visual Vernacular“ (Regie Natalia Świniarska)
Ein Bericht mit Fotostrecke über die Veranstaltung ist unter diesem Link verfügbar.
Wie jede Ausgabe des Kulturschiffs wurde auch diese Fahrt in der Sendung des Polnischen Rundfunks Olsztyn „Allensteiner Welle“ für die deutsche Minderheit vorgestellt.
Link zur Radiosendung. Bitte wählen Sie die Sendung vom 1.06.2025 r.
- Deutsche Minderheit (8.06.2025)
Gespräch: Daria Pisarek – jugendliche Aktivistin der deutschen Minderheit, Hildegard Ziółkowska – geboren in Ostpreußen, Mitglied des Vereins der deutschen Minderheit „Tannen” in Ostróda, Marcel Krüger – Mitglied der deutschen Minderheit in der Region, Verwandter eines Ermländischen Widerstandskämpfers, der während des Zweiten Weltkriegs für Polen spionierte und von den Nazis hingerichtet wurde; Schriftsteller, ehemaliger Stadtschreiber der Stadt Olsztyn
Kulturprogramm: Ania Broda, Gesang, Drehleier, Hackbrett
Ania Broda ist eine renommierte Künstlerin – sowohl in der Welt der Alten Musik (Kapela Brodów) als auch in der Welt der Popmusik (Auftritt in der TV-Show „Got Talent”, sehr beliebte Kinder-CD „A ja nie chcę spać”) und Forscherin der Musik aus Ermland und Masuren, die selbst aus dem Dorf Jonkowo im Ermland stammt. Auf dem Schiff wird sie mehrere hundert Jahre alte Lieder aus Ermland, Masuren und dem Oberland präsentieren, die sie dank Recherchen in den Archiven der Polnischen Akademie der Wissenschaften und im Archiv von Oskar Kolberg gefunden hat. Anhand einer Auswahl von Liedern zeigen wir einen multikulturellen Querschnitt durch das Oberland und seine Geschichte
Ein Bericht mit Fotostrecke über die Veranstaltung ist unter diesem Link verfügbar..
Wie jede Ausgabe des Kulturschiffs wurde auch diese Fahrt in der Sendung des Polnischen Rundfunks Olsztyn „Allensteiner Welle“ für die deutsche Minderheit vorgestellt.
Link zur Radiosendung. Bitte wählen Sie die Sendung vom 15.06.2025 r.
- Roma-Minderheit (29.06.2025)
Gespräch: Roland Bilicki – Musiker und Vorsitzender des Vereins der Ältesten der Roma und Angehörigen der Roma-Nationalität der Woiwodschaft Ermland-Masuren – zusammen mit seinem jugendlichen Sohn, Jordan, ebenfalls Musiker und Kampfsportler, Izabela Stankiewicz – Mitglied der Roma-Gemeinschaft, ausgezeichnet durch den polnischen Staatspräsidenten mit dem silbernen Verdienstkreuz
Kulturprogramm: Roland Bilicki mit seinem Sohn, Rayan, singen u.a. Lieder der Gypsy Kings
Ein Bericht mit Fotostrecke über die Veranstaltung ist unter diesem Link verfügbar..
Wie jede Ausgabe des Kulturschiffs wurde auch diese Fahrt in der Sendung des Polnischen Rundfunks Olsztyn „Allensteiner Welle“ für die deutsche Minderheit vorgestellt.
Link zur Radiosendung. Bitte wählen Sie die Sendung vom 6.07.2025 r.
- LGBTQI+ Community (27.07.2025)
Gespräch: Magdalena Sobiesiak – als Performerin unter dem Pseudonym Opal Ćwikła – Dichterin und Slammerin aus Lublin, Preisträgerin des renommierten Literaturpreises Silesius für ihr poetisches Debüt im Jahr 2023; Jarek Bąk – LGBTQI+-Aktivist aus Ostróda, lebt in Köln, wo er einen Queer-Club für Migranten gegründet hat; Monika Falej (Preisträgerin des von der Kampagne gegen Homophobie verliehenen Preises „Korona Równości” (Krone der Gleichheit), Juristin, ehemalige Abgeordnete des Sejm, derzeit Expertin im Expertenteam für Sonderpädagogik bei der Sektion für Sonderpädagogik des Komitees für Pädagogik der Polnischen Akademie der Wissenschaften für die Amtszeit 2024-2027)
Kulturprogramm: Performance der Slammerin Opal Ćwikła (30 min).
Ein Bericht mit Fotostrecke über die Veranstaltung ist unter diesem Link verfügbar..
Wie jede Ausgabe des Kulturschiffs wurde auch diese Fahrt in der Sendung des Polnischen Rundfunks Olsztyn „Allensteiner Welle“ für die deutsche Minderheit vorgestellt.
Link zur Radiosendung. Bitte wählen Sie die Sendung vom 3.08.2025 r.
- Ukrainische Minderheit (3.08.2025)
Gespräch: Daryna Obloh – Geflüchtete aus der Ukraine, Gymnasiastin in Olsztyn, die ohne ihre Eltern nach Polen gekommen ist; Andrzej Farańczuk – stellvertretender Vorsitzender der Allensteiner Abteilung des Verbandes der Ukrainer in Polen und Mitglied der ukrainischen Minderheit, die infolge der Aktion „Wisła” in die Region gekommen ist, Tetiana Revenko – Juristin aus Kiew, Geflüchtete, die in Olsztyn die Stiftung „Dwa Skrzydła UA” (Zwei Flügel UA) gegründet hat.
Kulturprogramm: Auftritt der ukrainischen Geigerin Alina Kholodna und des Teenager-Duos Damian Ordakowski (Polen) und Daryna Obloh (Ukraine), die auf dem Schiff mit einem ukrainischen Repertoire und einem Stück für vier Hände am Klavier auftreten werden, das Damian speziell für sich und Daryna – Personen aus Polen und der Ukraine – komponiert hat.
Ein Bericht mit Fotostrecke über die Veranstaltung ist unter diesem Link verfügbar..
Wie jede Ausgabe des Kulturschiffs wurde auch diese Fahrt in der Sendung des Polnischen Rundfunks Olsztyn „Allensteiner Welle“ für die deutsche Minderheit vorgestellt.
Link zur Radiosendung. Bitte wählen Sie die Sendung vom 17.08.2025 r.
- Jüdische Minderheit (24.08.2025)
Gespräch: dr Marek Szajda (Experte und Historiker im Museum der Geschichte der polnischen Juden POLIN in Warschau)
Kulturprogramm: Karolina Cicha (Akordeon und Gesang in Jiddisch)
Ein Bericht mit Fotostrecke über die Veranstaltung ist unter diesem Link verfügbar..
Wie jede Ausgabe des Kulturschiffs wurde auch diese Fahrt in der Sendung des Polnischen Rundfunks Olsztyn „Allensteiner Welle“ für die deutsche Minderheit vorgestellt.
Link zur Radiosendung. Bitte wählen Sie die Sendung vom 31.08.2025 r.
Ideengeberinnen und Koordinatorinnen des Projekts:
Chantal Stannik, Master der Osteuropastudien an der Universität Hamburg, seit 2023 von Deutschland entsandte Kulturmanagerin des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) beim Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren. Sie konzentriert sich auf die Arbeit und auf Projekte mit Jugendlichen. In den Jahren 2020–2023 war sie Lehrassistentin am Goethe-Institut in Kasachstan, wo sie zusammen mit anderen LehrassistentInnen Projekte im ganzen Land durchführte. Mit der Stiftung Kunst der Freiheit realisierte sie mehrere Projekte, darunter eine Reihe von Interviews und Workshops sowie eine Fotoausstellung
Olga Żmijewska, Seit 2018 Stifterin und Vorsitzende der Stiftung „Sztuka Wolności” (Kunst der Freiheit), Kulturwissenschaftlerin und Doktorandin an der Europa-Universität Viadrina (Radio Maryja im Kontext der Zivilgesellschaft), Seit 2003 Aktivistin in der Region Ermland und Masuren, Mitbegründerin von zwei Vereinen und ehemaliges Mitglied des Dorfrats in Idzbark; von 2008 bis 2021 vereidigte Übersetzerin für Deutsch und Übersetzerin für Englisch und Französisch (vier Jahre lang für das Europäische Parlament); Produzentin von Kulturveranstaltungen (Literaturabende, Poetry und Science Slams, Konzerte, Ausstellungen), Initiatorin und Organisatorin des Formats „Kultursaoln”; in den Jahren 2019–2023 engagierte sie sich für den Wiederaufbau des Schlosses der Familie von Lehndorff in Sztynort/Steinort und war Mitglied der Expertengruppe für die Erarbeitung eines Nutzungskonzepts des Gebäudes; Mitglied des Vereins der deutschen Minderheit „Tannen” in Ostróda sowie der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen und des Berliner Vereins „Freunde Kants und Königsbergs”.